Segeltörn auf dem Ijsselmeer: 22. - 29. August 1997

 

Eva bereitete sich fleißig auf ihre Pharmazieprüfung vor.
Nun hatte ich aber Urlaub und wollte natürlich Boot fahren. So kam mir es sehr gelegen, dass unsere Freunde Jutta, Andreas und Werner einen Segeltörn geplant hatten. Ein Platz war noch frei und ich sagte zu.
Wir charterten wie so häufig bei "Maran Yachtcharter" in Terkaple. Dieses Mal wieder ein Schiff vom Typ "Wibo 830" mit Namen JACANA.
Der erste Tag brachte uns zum "Starteiland" im "Sneeker Meer". Weiter ging es über "Heeger Meer/Fluessen" nach Stavoren, wo wir im Binnenhafen festmachten.
Am nächsten Tag segelten wir über das ruhige Ijsselmeer nach Enkhuizen.

Als wir einen Tag später von Enkhuizen nach Medemblik segeln wollten, war anfangs absolute Flaute. Dann kam der Moment, vor dem alle Wassersportler gewarnt werden, die diesen großen Binnensee unterschätzen.
Vor uns türmte sich eine schwarze Wand, die sich sehr schnell aufgebaut hatte. Im Radio gab es keine Warnung und Funk hatten wir nicht an Bord.
 

Ungefähr 50m vor uns sahen wir die Crew eines anderen Seglers, wie sie hastig die Segel bargen.
Das war für uns das letzte Signal! Rettungswesten angelegt, Motor gestartet und die Lappen runter.
Die erste Welle ging sofort über das Schiff. Andreas stand am Ruder und fuhr uns souverän durch den Sturm. Er hatte sogar noch die Coolness, den entgegenkommenden Rettungsbooten abzuwinken.
Wir bekamen zwar Wind und Welle von vorn und dort lag auch unser Ziel Medemblik, waren uns aber nicht sicher, ob wir die Stadt noch unbeschadet erreichen würden.
Backbord voraus und in Sichtweite lag Andijk. Auf diesem Kurs hätten wir aber die Welle von steuerbord.
Trotzdem steuerten wir Andijk an, wobei Andreas alle größeren Wellen frontal nahm und bei kleineren den Kurs auf Andijk beibehielt.
So dauerte es schließlich eine Stunde, bis wir den Hafen erreichten.
Bislang hatte es noch nicht geregnet, aber genau in der Hafeneinfahrt schüttete es aus Eimern. Wir legten an und ich drückte auf den Meldeknopf, um den Hafenmeister zu erreichen. Der fragte mich tatsächlich, ob wir hier bleiben wollten.
In dieser Situation war mein Humor etwas degeneriert.
Kopfschüttelnd teilte ich die Frage des Hafenmeisters der Crew mit.
Jetzt mussten wir bei diesem Wind nur noch heil in die zugewiesene Box, was erstaunlich gut klappte.
Anschließend rissen wir ein paar Dosen Bier auf und standen nackt im Salon, denn wir waren Nass bis auf die Unterwäsche.
Im Hafen von Andijk gab es ein gemütliches Restaurant mit Blick über das Ijsselmeer. Es war kein einziges Schiff mehr zu sehen.

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter wesentlich gebessert, allerdings war uns nach segeln nicht zumute. So motorten wir die paar Kilometer von Andijk nach Medemblik und bekamen noch einen Platz vor dem Schloss Radboud.
Es war Hochsaison und die Häfen am Ijsselmeer waren fast überfüllt.

Von Medemblik mussten wir nun wieder zurück über das Ijsselmeer nach Friesland.
Wir haben uns alle Wetterinformationen eingeholt, die wir bekamen und wagten dann den Sprung.
Bei durchschnittlich 5 Windstärken kamen wir flott und problemlos in Workum an, wo wir binnen bei "Kuperus Watersport" noch einen Platz für die Nacht bekamen.

Den letzten Abend verbrachten wir in Terherne, damit wir es am kommenden Tag nicht mehr so weit bis Terkaple hatten, wo wir das Schiff bis 10 Uhr wieder abgeben mussten.

Fazit:

Ijsselmeer bei Sturm möchte ich mir für die Zukunft ersparen.
Ansonsten war es ein wunderbarer Törn. Vor allem die Städte an der ehemaligen Zuidersee haben noch viel von ihrer ursprünglichen Identität bewahrt und lohnen immer wieder einen Besuch.
Eine kleine Reise in die Vergangenheit bietet das "Zuiderseemuseum" in Enkhuizen.
Im Innenmuseum kann man viele maritime Exponate besichtigen, während im Außenmuseum teilweise ganze Dörfer wieder aufgebaut worden sind, die man an anderer Stelle abgerissen hat.

Bei "Maran Yachtcharter" in Terkaple: Die üblichen Verladeaktionen.
Am "Starteiland" (Sneeker Meer). Andreas und Werner bunkern Wasser.
Andreas: Hier verbirgt sich also die Bordbar!
Ich wurde wieder einmal "shanghaid"
(Oder wie immer sich das schreibt!)
Unsere "Jacana", eine "Wibo 830", im Marina Stavoren (Binnen).
Werner: Laut Karte bin ich auf einem Schiff. Vor der "Johan Frisosluis" in Stavoren.

Das Ijsselmeer wenn es ruhig ist. Uns hatte es vor Andijk mächtig erwischt.
 

 

 

Andreas: In der Ruhe liegt die Kraft. Wartesteiger vor der "Johan Frisosluis" in Stavoren. Marina Enkhuizen: Die Crew v.l.n.r. Ich, Werner, Jutta & Andreas. Foto vom Hafenmeister.
Zuiderseemuseum Enkhuizen: Immer einen Besuch wert. Der historische Hafen vom Zuiderseemuseum Enkhuizen. Von hier aus sind kleine Segeltörns möglich.
Zuiderseemuseum Enkhuizen: Ein Bild vergangener Jahrhunderte.
Zuiderseemuseum Enkhuizen: Die Apotheke hätte Eva gerne. Zuiderseemuseum Enkhuizen: Der schräge grüne Verschlag ist der "Bio-Lokus". Daher der Ausdruck "Grachtenkacker".

Zuiderseemuseum Enkhuizen: Eine Form von Idylle.
 

 

 

Medemblik: Am Meldesteiger. Medemblik: Werner hat Waschtag.
Medemblik: Liegeplatz vor dem Schloss Radboud. Medemblik: Wir haben Nachbarn bekommen.
Auf dem Ijsselmeer: Nein - ich bin nicht böse. Nur Werner opfert Neptun und Poseidon gleichzeitig und ich kann es nicht mit ansehen! Zurück in Friesland: Die Ortsdurchfahrt von Workum.
 
Friesland empfing uns mit Regen. Prima um die sauteure Seglergarderobe vorzuführen!